Donnerstag, 5. August 2010

Zyklus Schlachten - I - Borodino

Borodino

Gar lange wichen wir zurück

Vor des Franzosen kalter Hand.
Doch wetzten wir schon uns're Messer;
Was macht der Feind in unser'm Land?

Nun fanden wir ein großes Feld -
Hier ist der Platz, an dem wir streiten!
Die Gräben wurden ausgehoben,
Das Schwert sollt' uns begleiten!

Kaum waren wir bereit zu kämpfen,
Ertönte schon das blechern' Horn.
Dort glänzt es blau schon aus den Wäldern,
Dort stürmt der Feind nach vorn!

Vorbei die Zeit der Listen:
Wir kämpfen offen, stolz!
Und soll'n wir sterben, soll's so sein,
Doch vorher brechen Stahl und Holz!

Zwei Tage flogen Tausend Kugeln.
Wo ist der Sturm der Schlacht?
"Zu den Kartätschen, vorwärts, Männer!" -
Ward unser Mut entfacht.

Die Nacht brach dann herein.
Wir schärften Bajonette, luden Waffen;
Zähne knirschten, viele schrien,
Es war die Zeit, den Sieg zu schaffen.

Und kaum war hell der Himmel
Erzitterte der Grund.
Es stand nun Reihe hinter Reihe,
In dieser stolzen Stund'.

Stolz blickten wir auf unsr'en Führer,
Ein Vater uns, ein Sohn dem Zaren,
Wie schade ist es doch um ihn,
Sein Wort, wir wollen es bewahren.

So sprach er doch:
"Soldaten!
Wer rettet Moskau, wenn nicht wir?
Hatten wir nicht den Tod geschworen?
Und so erfüllen wir den Schwur,
Wie die Brüder, die wir hier verloren."

Oh, welch ein Tag!
Sie drängten auf uns, die Franzosen,
In ihren blauen, starken Reihen,
In den mächtigen, endlosen -
Und alle gegen uns!

Denn alle sahen wir.
Dragooner, Husaren, Kürassiere -
Sie alle brachen auf uns ein,
Doch kämpfen wir - was immer auch passiere!

Der Feind sah viel an jenem Tag,
Was russisch' Nahkampf uns doch heißt!
Der russisch' Kämpfer niemals zittert,
Der tapf're Slawe jeden Feind zerreißt!

Zu streiten gegen uns're Rus -
Der Feind erriet nun, was es hieß!
Nun schallt' das blechern' Horn erneut,
Der Franzemann das Feld verließ.

Nun zählten wir die toten Freunde,
Zogen tief in unser Land.
Der Feind, er sollt sich sicher wähnen,
Und sehen doch nur Tod und Brand.

Sonntag, 1. August 2010

Rus

Land der goldenen Felder,
Land der glänzenden Seen,
Land der Steppen und Wälder,
Die zu ihren Göttern fleh’n.

Land, das immer unbesiegt,
Stolz sein golden Haupt erhebt.
Jahr um Jahre hast den Krieg
Stets auf’s neue Du erlebt.

Hier zerbrachen Frankreichs Heere,
An dem grünen Ehrenkleid –
Und auch des Janitscharen Ehre
Zersprang an deinem Treueeid.

Niemand kann dich niederringen!
Niemand deinen Stahl verbiegen!
Jeden Feind wirst du bezwingen,
Jeden wird die Rus besiegen!

Keine grausamen Chasaren,
Nicht des Polen Gier nach Land –
Auch der letzte deutsche Feldzug
Barg den Tod am Wolgastrand.

Land der Flüsse, Land des Schnees,
Land des gold’nen, hellen Mutes,
Land, dessen Ehre nie vergeht,
Land des stolzen, reinen Blutes!

Stolz erklommen wir die Alpen –
Ertränkten wir die Krim in Blut,
Der Kaukasus erzitterte,
Bei unserer Kosaken Mut.

Doch birgt Gefahr der ärgste Feind –
Der uns drei Mal schon fast vernichtet,
Der Sieg gelingt uns nur vereint,
Bevor der Feindesstamm über uns richtet…

Es stürzte ihn der edle Fürst,
Der tapfere, mit edlem Haar;
Danach bezwang er unser Reich,
Im Siebzehnten verfluchten Jahr.

Und nun hat er erneut die Macht;
Und niemand kann ihn hier erkennen.
Und währenddessen er nur lacht,
Wenn wir versinken und verschwinden.

Montag, 12. Juli 2010

Tempestas



Wer hat den Wind gesehen,
Des Sturmes stolzen Boten?
Den Wind, der Stimmen trägt,
Das Klagelied der Toten.

Der Sturm, er naht mit Sensenschwung,
Mit Trommelschlag und Regenflut,
Sein Tränenmeer bedeckt den Grund,
Des kalten Windes klares Blut.

Donnernd reitet der Tod!
Auf des Sturmes kühlen Schwingen.
Die kahlen Bäume brechen stumm,
Wenn sie mit ihm vergebens ringen.

Wer hat den Sturm gefühlt,
Des Todes lauten Boten?
Den Sturm, der donnernd fegt
Hinweg die Ruh‘ der Toten.

Montag, 31. Mai 2010

Sommer

von K.

Nach des Frühjahrs Blumenhauch,
Bricht warmes Licht durch’s Wolkenmeer.
Und wie der Götter bunter Rauch,
So wärmt den Geist das Blütenmeer.

Ihr Antlitz wärmt mein Herz, mein fahles.
Ich sehne mich nach reinem Licht.
Doch auch der Sonne helle Strahlen
Erfreuen meine Seele nicht.

Es glänzt die Flur! Es blüht der Mohn.
Im warmen Regen sprach ich ein Wort.
Der Sommer naht, der Sehnsucht Hohn –
Will mich narren und lockt mich hinfort.

Träumend liege ich im Gras;
In dem Versteck, das mich verbirgt.
Träumend von dem, was ich vergaß;
Weck mich, wenn September stirbt.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Herzen aus Stahl, Seelen aus Eis

Inspiriert von F., verfasst von K.

Ein brennend' Feld.
Ein totes Kind -
Wo weilt der Held?
Er eilt geschwind.

Zerbarst der Ort,
Zerbarsten Herzen.
Des Terrors Hort
Birgt fremde Schmerzen.

Entehrte Weiber,
Leidend' Soldaten,
Zerrissen Leiber
Und grause Taten.

Die Leichen begraben,
Das Blut geronnen,
Die Schlacht geschlagen,
Der Krieg gewonnen.

Montag, 24. Mai 2010

Mein Dämon

von K.


I.

Das Schlechte ist sein Reich. Er liebt den Schmerz –
Er rast durch schwarze Wolken dichten Rauches,
Nicht Weihrauch brennt, es brennt mein Herz!
Er ist der Bote grausen Brauches.

Entlaubte Bäume sind sein Thron,
Kadaver, brennende, sind seine Knechte,
Ein Bild von Schönheit - mir sein Hohn;
Das Schwert drückt er in meine Rechte.

Er liebt den Zweifel, sät das Gift,
Verdirbt mir Liebe und das Staunen;
Und seiner schwarzen Kralle Schrift,
Entlockt aus meinem Hals ein Raunen.

Geistlos sieht, vergießt er Blut,
Denn Leidenschaft bestraft er schnell!
Die Bitterkeit ersetzt den Mut,
Und Musen brennen feuerhell.

Fern von irdischem Gewahren,
Spür‘ ich seinen höhnisch Blick.
Erlegen weltlichen Gefahren
Ergeb‘ ich mich in mein Geschick.

II.

Tief im Herzen sitzt der Drache,
Der Teufel, der mich lässt erstarren
Ich will aus schwarzem Bann erwachen –
Und muss in kaltem Schlaf verharren.

Verführung schenkt er, sie ist Lüge;
Er will doch nur, dass ich in Ketten
Allein den nächsten Tag ertrüge –
Doch wird mich jemals jemand retten?

Wird schmelzen je das schwarze Eis?
Werd ich erwachen aus dem Bann?
Ich folg dem Stern, der Hoffnung heißt,
Die doch noch nicht zerrann.

Erneut werd ich ihm unterliegen,
Denn wieder bin ich ihm verfallen.
Ich kann den Dämon nicht besiegen,
Und einst werde ich durch ihn fallen.

Frei von allem, was mich hält,
Will ich einst die Sterne grüßen,
Ich weiche dann von dieser Welt
Und werde still für alles büßen.

III.

Denn niemand schützt mich, keiner hält,
Die Hand, die sich im Schmerz verkrampft.
Das Herz verdorben nun zerschellt,
Der letzte Tropfen Blut verdampft.

Alleine schreit‘ ich durch die Schwärze,
Und laufe weg, weiß nicht wohin,
Ich fürchte mich, genieß die Schmerzen,
Und weiß nun nicht mehr, wer ich bin.

Der Dämon tobt, er schreit, er lacht;
Er ist zufrieden, hat erreicht,
Hat sein Dämonenwerk vollbracht,
Wenn mein Gerippe hier verbleicht.

Vorbei der Kampf, vorbei die Qual,
Ein Ende muss die Folter finden,
Was übrig bleibt, die letzte Wahl,
Des Schicksals letzte Sünde.

IV.

Gesandte dessen, was ich hasse!
Verflucht seid ihr! Nun schweigt nicht, sprecht!
Wollt ihr, dass ich mein Leben lasse,
Bevor ihr meine Ketten brecht?

Des Schicksals Götter, lacht nur laut –
Ich werd einst euren Sitz ersuchen.
Den Tempel, den ihr habt erbaut –
Kreischend werde ich verfluchen!

Mein Leiden, es trägt einen Namen.
Es wohnt in mir und lässt mich brennen…
Es foltert mich, kennt kein Erbarmen.

Zu enden meinen langen Frust,
Dien ich Gott, dien ich dem Teufel! –
Reißt mir den Fluch nur aus der Brust!

Donnerstag, 13. Mai 2010

Die letzte Legion

Von K.

Die Banner hoch -
Heraus zur letzten Schlacht!
Wir sind der letzten Tage Streiter,
In unsren Herzen Terror lacht.

Auf bleicher Länder weißem Grund
Stürmen tote Heere vor.
Und hasserfüllt tut jedem kund
Von Tod und Leid ihr Chor.

Schöner als des Schlafes Friede
Sind sie zum Untergang bereit.
Wenn auch das Blut in ihnen siedet,
Sie bringen Zions Kindern Leid!

Denn Asche fällt, und Feuer lacht;
Die Söhne des Staubs liegen bar.
Wir sind aus schwarzem Bann erwacht
Der diesen Hass in uns gebar.

Noch sind wir ein Irrlicht, flammend,
Das in kalter Nacht sich regt.
Jener fremden Welt entstammend
Die den Keime in sich trägt.

An Ufern, wo sich Leichen türmten,
Erkannten wir den Sinn im Sein:
Als wir durch die Heimat stürmten,
Vergaßen wir Entbehrung, Pein.

Aus brennenden Fanfaren
Tönt unser Schicksalswort;
Mit letztem Willen fegt es
Der Feinde Klang hinfort.

Am Tag, von Blut beläutet,
Nur dieses Wort besteht.
Durch Flamme ungeläutert
Die falsche Welt vergeht.

Verhüllt vom dichtem Rauch,
Der Flammen Widerschein,
So haben wir verlassen auch,
Des Lebens leeren Hain.

Gleich denen, die verdorben,
Am Fluch zerbrochen sind.
Wenn alle sind gestorben
Uns nur noch kennt der Wind.

Mittwoch, 12. Mai 2010

Das Schicksal eines Kriegers

Allen Soldaten gewidmet. Von K.

Er war gefallen, stand am Tor.
Er hoffte, seine Waffen glänzten,
Der Ruhm, der seinen Tod umkränzte,
Er wärmte ihn zuvor.

Was soll ich mit dir tun, mein Krieger?
Du warst nicht immer gut,
Du warst nicht immer stolzer Sieger,
Doch fielest du mit Heldenmut.

Ich war’s, ich war’s,
Rief er dem Licht entgegen.
Ich war kein guter Mann,
Ich hoff‘ auf deinen Segen.

Ich kämpfte ewig treu,
Ich habe nie verraten.
Drum, hoffe ich, vergibst du mir,
Auch meine schlechten Taten.

Wenn hier ein Ort ist,
An dem ich Ruhe finden kann.
Verstummen bald die Schreie,
Von jedem toten Mann.

Denn fiele ließ ich sterben,
Denn grausam ist die Welt.
Und jeder musste fallen,
Der sich entgegenstellt.

Doch nie verschmäht‘ ich einen Freund,
Ich half auch jedem, der mich rief.
Ich schützte jeden, der mich bat,
Mein Treueschwur galt tief.

Wenn jemand darf durch dieses Tor nun schreiten,
So bist es du, mein Krieger;
Nie wieder musst du zu Felde reiten,
Jetzt bist du endlich Sieger.

Nach all den Opfergaben
Sei dies dein letzter Lohn:
Ich rufe dich ins weiße Reich –
Du sahst die Hölle schon.

Samstag, 8. Mai 2010

8. Mai

von B.

Der zweite Bruderkrieg hinterließ in Europa auf beiden Seiten nur Verlierer und markierte den Anfang eines stetigen Abstieges. Keine der kämpfenden Nationen hat irgendetwas dabei gewonnen und die Gräben zwischen ihnen waren am Ende tiefer als jemals zuvor. Heute ergeht sich Europa in gegenseitigen Verleumdungen, Selbsthass, sinnlosen Schuldzuweisungen und Streitereien, es wird verfälscht und gelogen was das Zeug hält - sowohl auf Seite der Offiziellen als auch auf Seite der "Revisionisten". Und die Hakennasen freuen sich und feiern das Gezanke, denn mit jedem Funken Hass, der zwischen Angehörigen europäischer Nationen erglimmt, wird ihre Position stärker.
Die Gefallenen kriegen glücklicherweise nicht mehr mit, wie die Dampfwalzen der Globalisierung und der "Demokratie" Europa weiter in den Schlamm pressen. Ich beneide sie fast, denn so unselig dieser Krieg und seine Umstände auch waren, jeder einzelne Soldat konnte zumindest von sich behaupten, für eine stolze Nation in den Kampf zu ziehen.

Mittwoch, 28. April 2010

Die Bienen von Pripjat, Teil II

Die Fortsetzung einer Erzählung von B.

Marat war von schrecklichen Wunden gezeichnet. Seine Haut hatte einen ungesunden Ton angenommen und er war kaum noch fähig, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Wir schleppten ihn in unsere Barracke und versuchten, irgendetwas aus ihm herauszubekommen, doch er blieb stumm und seine Augen starrten ausdruckslos in die Leere. Die Nacht verging quälend langsam und übertraf den Tag an Bedrückung und Trostlosigkeit um ein tausendfaches. Wachen einzuteilen war überflüssig, da niemand von uns an Schlaf denken mochte - nur Marat lag auf seinem Feldbett und schlief, ruhig, traumlos, wie ein Stein. Jedes Leben schien aus ihm entwichen zu sein, und wie grauenhaft er zugerichtet war...die Abscheu, die ich früher vor ihm empfand war verschwunden und hatte auf der einen Seite einem Gefühl von Schuld und Mitleid, auf der anderen Seite einer vagen und obskuren Furcht Platz gemacht. Das verlassene Militärlager, das zu unserer Heimat geworden war, verströmte nun eine Atmosphäre kalter Boshaftigkeit. Die Luft in unserer Barracke schien mit jeder der unerträglich langsam verstreichenden Minuten giftiger zu werden. Wenn wir zum Hauptgebäude blickten, überkamen uns eisige Schauer.
Endlich begannen sich am Horizont die ersten Anzeichen der Morgendämmerung zu zeigen, doch Erleichterung brachte sie uns nicht. Im Gegenteil, je heller es wurde, desto elender fühlten wir uns. Allem um uns herum schien eine abgrundtiefe Feindseligkeit inne zu wohnen und mit jedem neuen Objekt, das aus der Dunkelheit erwachte, wuchs ein Gefühl des Umzingeltseins und der Hilflosigkeit. Als die Sonne schließlich ihre ersten Strahlen in den Raum schickte, weckten wir Marat. Er sah noch übler aus und verharrte weiterhin in seinem seltsamen Schweigen. Als wir schließlich das übliche, fade Frühstück einnahmen, begann er endlich etwas zu murmeln. "Wir müssen fort von hier."
Sein Tonfall und der Satz waren noch unheimlicher als sein Schweigen. Doch wir taten, wie uns geheißen, denn unsere Beklemmung hatte sich mittlerweile fast zur Panik gesteigert. Wir rafften unsere Sachen zusammen und luden alles auf den Lastwagen, Munition, Waffen, Nahrungsmittel und was wir sonst noch für brauchbar empfanden. Ich startete den Motor und als die anderen endlich eingestiegen waren fuhren wir los. Wir hatten weder eine Ahnung, wohin wir sollten noch was uns die kommende Zeit bringen würde. Ich warf einen letzten, fast sehnsüchtigen Blick, auf den nun wieder stillen Armeeposten. Gleichzeitig ergriff uns eine gewisse Erleichterung, diesen so unheimlich gewordenen Komplex zu verlassen.
Leere Straßen, verlassene und verfallene Häuser, Trümmer und Wracks flogen am Fenster vorbei. Irgendwann erreichten wir eine Fernstraße, die zu unserer angenehmen Überraschung völlig leer gefegt war. Mittlerweile war vom Westen her ein Gewitter aufgezogen. Der Himmel war dunkelgrau. Es blitzte im Sekundentakt, es gab keinen Donner sondern nur ein kontinuierliches Grummeln. Der Regen war dermaßen heftig und schwer, dass die Phrase "Es regnet Bindfäden" einer Untertreibung gleich kam. Viel eher fielen Wasserwälle vom Himmel. Die anfängliche Erleichterung, unsere unerträglich gewordene Behausung verlassen zu haben, war längst verflogen. Wir fühlten uns eingeengt und bedroht, wie in jeder Sekunde nach Marats Rückkehr und der Sturm war diesem Gefühl nicht gerade abträglich. Ich hatte die Augen fest auf die Straße fixiert und mein Blick schweifte nur hin und wieder zu meinen Begleitern. Arseniy hatte seinen Kopf an die Schulter seiner Schwester gelehnt und war eingeschlafen, Alisa blickte sorgenvoll und bekümmert in die Sturzbäche, die von der Scheibe rannen während sie ihrem schlafenden Brüderchen mit der einen Hand durch das Haar strich und mit der anderen Hand die seine fast krampfhaft umklammert hielt. Marat saß rechts außen und wirkte leblos und unbeteiligt, ganz wie eine Puppe - eine vernarbte Puppe, deren Hautton immer ungesünder wurde.
In einem Waldstück nahm unsere Fahrt schließlich ein Ende. Die Straße wurde von einigen massiven Baumstämmen versperrt, deren Anordnung mich irgendwie stutzig machte. Zwar waren umgestürzte Bäume gerade bei solch einem Wetter keine Besonderheit, doch es schien fast, als hätte jemand mit System eine Straßensperre errichtet. Eine Weile saßen wir ratlos in dem stehenden Fahrzeug, dann beschloßen wir, getrieben von Erschöpfung und der anbrechenden Dunkelheit, die Nacht hier zu verbringen und uns morgen des Problems anzunehmen. Zum Schlafen mussten wir uns wohl oder übel mit der Fahrerkabine begnügen, als Wärmequelle diente uns die Heizung, zur Unterhaltung diente eine Kassette mit schwermütigen Balladen und ein abgegriffener Gedichtband von Taras Shevchenko, den ich aus irgendeinem Grund in meiner Jackentasche vorfand und aus dem abwechselnd Arseniy, Alisa und ich im Licht einer Taschenlampe lasen. Wir vermieden es möglichst, nach draußen zu sehn, denn die hohen, windgepeitschten Bäume wirkten drohend und furchteinflößend. Wir waren erleichtert, als schließlich die Nacht einbrach und uns, bis auf die hin und wieder über den Himmel zuckenden, bläulichen Flächenblitze völlige Dunkelheit umgab.
Die anderen schliefen längst, als ich beschloss, mir nach der langen Fahrt die Beine zu vertreten. Ich griff zu einer Taschenlampe, angelte meine Waffe unter der Sitzbank hervor und fischte ein Päckchen Zigaretten und ein Feuerzeug aus meiner Jackentasche. Die Jacke ließ ich im Wagen, denn nach der Hitze, die sich mittlerweile in der Fahrerkabine ausgebreitet hatte, dürstete mein Körper nach einer Abkühlung. Der Äther schien vor Bösartigkeit zu brodeln, jedes Knacken ließ mich zusammenfahren und sogar der Geruch des nassen Asphalts, den ich seit meiner Kindheit geliebt hatte, kam mir auf einmal ekelhaft vor. Nichtsdestotrotz schlenderte ich etwas im immer noch schwer und kalt fallenden Regen umher und zündete mir eine Zigarette an. Als ich in die Fahrerkabine zurückkletterte, erfasste mich tiefe Erleichterung, mich nicht mehr der düsteren, unbekannten Außenwelt gegenüberzusehen. Trotz meiner Erschöpfung konnte ich nicht sofort einschlafen. Es war quälend, denn wegen den beengten Verhältnissen vermochte ich mich nichtmal herumzuwälzen, wie man es sonst in solchen Fällen zu tun pflegt. Nach einer Ewigkeit schließlich begab ich mich endlich in Morpheus' Arme.
Der nächste Morgen war angebrochen, immer noch grau, windig und verregnet. Ich erwachte als erster und während die anderen noch schliefen, behob ich das Problem mit der Straßensperre mithilfe einiger Haftminen. Wir folgten der Straße weiter und weiter, immer noch ziellos. Auch nachdem die anderen erwacht waren, wurde kein Wort gewechselt. Die einzigen Geräusche, die die bleierne Stille brachen, waren das Klatschen des Regens auf der Scheibe und das Schnaufen des Motors. Meine Augen waren auf den Horizont fixiert, auf jenen Punkt, an dem der endlose, graue Himmel mit der Erde zusammentraf. Die Landschaft war monoton und gab dem Auge ansonsten keinen Halt, zumindest existierte nichts, was einen Blick zur Seite wert gewesen wäre. Ich hoffte, unsere Fahrt würde bis ans Ende unseres Lebens dauern, denn nichts an der Außenwelt wirkte freundlich und einladend, nichts spendete Trost oder Hoffnung und ich fürchtete den Augenblick, in dem uns das Benzin ausgehen würde oder uns die Umstände auf sonstige Weise zwingen würden, anzuhalten. Marat wirkte immer abnormer. Ein unangenhemer, wenn auch nur unterschwellig wahrnehmbarer Geruch ging von seinen Wunden aus, seine Wangen waren eingefallen, sein Blick glasig und noch lebloser als am vorigen Tag. Mir schien es auch, als würden die Kinder Zentimeter um Zentimeter von ihm wegrücken, fast, als wäre er giftig geworden. An einer von Wracks gesäumten Ausfahrt sprach er plötzlich wieder, das erste Mal seit unserem Aufbruch."Abbiegen!". Obwohl wieder gemurmelt und leise entbehrte dieser Satz doch nicht einem gewissen, herrischen Befehlston.
Die Ausfahrt führte uns auf eine etwas schmalere, von Wald und Sumpf gesäumte Straße, die nach einiger Zeit an einem See vorbeiführte. Dort erhob Marat seine Stimme ein zweites Mal, so erheben der richtige Ausdruck für sein Murmeln ist. "Hier anhalten. Wir können nicht weiter", flüsterte er mit einem sowohl ängstlichen als auch bedrohlichen Unterton, der jeden Versuch, nach dem Grund zu fragen, unmöglich machte. Am Ufer fand sich zwar eine kleine Hütte, deren Zustand aber derart miserabel war, dass wir es vorzogen, einmal mehr in der Fahrerkabine zu nächtigen. Die Landschaft war reizvoll und so beschloss ich, etwas am Ufer entlang zu spazieren. Das Ufer war an dieser Stelle bestanden von Schilfgras und ein paar Bäumen, auf der anderen Seite sowie am linken und am rechten Ufer stand ein dichter, meist aus Nadelbäumen bestehender Wald. Ich tat also ein paar Schritte, doch schon nach wenigen Augenblicken packte mich ein namenloses Gefühl, das mir kalte schauer über den Rücken jagte. Ich machte auf der Stelle kehrt, beschleunigte meine Schritte und war heilfroh, als ich wieder bei meinem Ausganspunkt angelangt war.
Die Kinder und - sehr zu meinem Erstaunen - auch Marat hatten den Wagen inzwischen verlassen. Arseniy sammelte Beeren von einem Strauch, Marat stand planlos und unbeteiligt, ganz wie ein Schlafwandler, daneben und stierte Löcher in die Luft, Alisa saß, etwas weiter von den beiden entfernt, auf einem Steg aus morschem Holz, der wohl früher zu dem verfallenen Bretterverschlag gehört hatte und guckte gedankenverloren in das dunkle, stille Wasser. Marat unterbrach die Stille ein drittes Mal, wieder mit einer nebulösen, gemurmelten Äußerung, diesmal an Arseniy gerichtet. "Lass die Finger von den Pflanzen hier! Sie bringen Unheil, der ganze Boden ist vergiftet!". So seltsam sein sonstiges Schweigen auch war, es war mir tausendmal lieber als diese seltsamen Phrasen und Wortfetzen, die er mit dieser fürchterlichen, kränklichen Stimme sprach.
Der Regen hatte mittlerweile aufgehört und am Horizont schien der Himmel sogar aufzulockern. Es zeigten sich hier und da ein paar Flecken stahlblauen, reingewaschenen Himmels und hinter den Bäumen, am äußersten Rand des Horizonts, ließ sich die untergehende Sonne erahnen, die die Wolkenränder in ein orangefarbenes Licht tauchte. Als die Dunkelheit langsam zunahm, begannen wir nach trockenem Holz zu suchen, um ein wärmendes Feuer entzünden zu können. Nach den vorangegangenen Regentagen ist es allerdings müsig, zu erwähnen, dass unsere Suche nicht von Erfolg gekrönt war. Schließlich hatte Arseniy die Idee, in den Autowracks und der zerfallenen Hütte nach Brennmaterial zu suchen. Es kostete einiges an Mühen doch schließlich war es uns gelungen, ein ansehnliches Feuer zu entfachen, dessen Nahrung aus einer Rückbank, einer alten Couch und Unmengen an Kleinkram bestand. Wir standen um die zuckenden, tanzenden, hungrigen Feuerzungen herum und starrten in die gelbrote Leere, die Kinder und ich auf der einen, Marat auf der anderen Seite. Marats Gesicht wirkte im Flammenschein vollends geisterhaft, nichts menschliches schien mehr in ihm zu sein und jeder Blick, den ich in seine Richtung lenkte, ließ mich erschauern. Wir nahmen die letzte Mahlzeit des Tages zu uns und stellten nebenbei fest, dass unser Konservenvorrat nur noch begrenzt war. Früher oder später mussten wir also einen Abstecher in die nächstgelegene Ruinenstadt oder Ortschaft machen, wenn wir nicht verhungern wollten. Irgendwann gegen Mitternacht (sofern auf mein Zeitgefühl verlass ist - eine Uhr hatten wir seit langem nicht mehr gesehn) begaben wir uns schließlich in die Kabine, um zu schlafen.

Montag, 26. April 2010

Wermut

Ein Glückwunsch von B.

Seit 24 Jahren schon liegen die Sümpfe in ewiger Stille, seit 24 Jahren verfallen Städte, Monumente und Dörfer. Die Strahlung wird laut Aussagen einiger Experten erst in 5000 Jahren endülgtig verschwunden sein. Und dennoch ist die Zone eines der schönsten Plätzchen auf dieser Erde, völlig ungestört von den Übeln der "Modernen Welt".

Herzlichen Glückwunsch, Chernobyl!
Bleib so, wie du bist...

Ein Glückwunsch von K.

Vor 24 Jahren versank eine Stadt in strahlender Stille - in strahlender Schönheit.
Die desolate "Zone" bildet seit fast einem Vierteljahrhundert eine Bastion der Natur gegen den Verfall der Welt. Sie ist ein Refugium für jene Seele der Erde, die erschöpft ist von der Seuche Mensch.

Alles Gute. Auf Eintausend Jahre Radioaktivität. Es lebe Chernobyl!
С днём рождения!

Dienstag, 20. April 2010

Enigma

von K.

Was Schatten brachte bald wird enden,
Und sterbend, welken Kelchen gleich,
Werden Träume zu Legenden
In des Vergessens totem Reich.

Eintausend blasse Asphodelen
Verbrennen neben hellster Sterne Licht.
Von ihrem Horte will ich stehlen,
Doch ihn erreichen kann ich nicht.

Wenn Du die Zeichen deuten kannst –
Ein letztes Mal will ich versprechen:
Die Flamme brennt, das Irrlicht tanzt,
Und nichts ist heil, um es zu brechen.

Nichts ist ewig. Alles bricht.
Was ist Leben, wo das Licht?

Des hellsten Feuers reiner Brand,
Im Eisgewande weißen Lichtes,
Von roter Sonne mir entsandt:
Die Stunde des Gerichtes.

Elysium zerfiel zu Asche;
Seligkeit verschwand, verging,
Bevor ich kurzes Glück erhasche
Zerspringt der schwere Eisenring.


Wenn Du die Zeichen deuten kannst.

Freitag, 16. April 2010

Die Bienen von Pripjat, Teil I

Eine Erzählung von B.

All meine Ängste, Hoffnungen, Sorgen, Träume, Pläne verloren am --. -- 20-- jede Gültigkeit. Ein Blitz, heller als tausend Sonnen, zuckte über den Horizont eines diesigen Himmels, der auf der unangenehmen, feuchtwarmen und drückenden Luft wie ein Topfdeckel lag. Das schmerzhafte, orangefarbene Licht entfesselte Feuerstürme, die Atmosphäre vibrierte als würden gewaltige Sprünge in den Kosmos gerissen. Ich stand wie angewurzelt am Fenster meiner Wohnung, gelegen in irgendeinem Plattenbau in einem der verufensten Randbezirke der Stadt. Ich ignorierte die berstenden Fenster und die Wunden, die das Glas hinterließ, so gefesselt war ich von dem Anblick, der sich mir bot. Richtung Westen sah man nichts als eine hellrote, wabernde Masse, die Glutwolken und brennende Stürme gebar, gekrönnt von einer Rauchwolke, die teuflische Formationen bildete. Ich hatte keine Zeit, irgendwelche Gedanken und Vermutungen über diesen Weltenzerstörer anzustellen, denn ein weiterer, noch grauenhafter Ruck stieß mich ins dunkel.

Ich erwachte unter einem Berg unsäglich zugerichteter Leiber, die allesamt wie Spottgebilde und verzerrte Fratzen menschlichen Lebens aussahen. Die Luft war erfüllt von eklen Gerüchen und trotz der Masse, in denen die Ausdünstungen den Äther bevölkerten, würde ich jeden einzelnen wieder erkennen. Nach einigen Mühen hatte ich mich freigekämpft und stolperte aus dem staubigen Zwielicht heraus, um mir irgendwo einen Überblick über das Geschehene verschaffen zu können. Ich fand mich inmitten von Trümmern und geisterhaften Ruinen wieder, erleuchtet von einer in ungesunden Rottönen scheinenden Sonne. Die Luft war giftig und abstoßend, bevölkert von Staubpartikeln und Asche. Ein kühler Wind kam auf und am Horizont zeichneten sich dunkelgraue Wolkengebilde ab. Ziellos lenkte ich meine Schritte durch die Betonschluchten, unter ständiger Beobachtung der Trümmerberge und der Gebäudereste, die mit ihren zerschlagenen, leeren Fensterhöhlen anklagend auf mich herabblickten. Ich begann zu rufen und zu schreien, in der blassen Hoffnung, irgendwer würde es hören, obwohl ich innerlich wusste, welchen Erfolg ich damit erzielen würde. Irgendwann hatte ich einen Park erreicht. Inzwischen war der Himmel immer mehr zugezogen und bald fiel nasskalter Regen, dessen Tropfen auf der Haut zu brennen und zu ätzen schienen. Irgendwo in der Ferne rollte verhaltener Donner. Meine Schritte lenkten mich an einer stämmigen, alten Eiche vorbei, deren Blätter trotz der Jahreszeit schon welk und der Welt überdrüssig schienen. An einem archaisch und ehrwürdig aussehenden Ast baumelte ein Mann in militärischer Kleidung an einem festen, noch neu wirkenden Strick. Er trug ein Schild um den Hals, auf dem in großen, roten Buchstaben "Ich war der letzte" geschrieben stand. Einen Moment lang verfiel ich in ein bitteres Lachen, ob des Irrtums dieses armen Teufels. Ich suchte das Ende des Stricks, das am Baum befestigt war, fand es, band es los und sah mit einer irren Belustigung, wie der Leichnam zu Boden sauste. Ich untersuchte die Taschen des Mannes, ob sie irgendetwas brauchbares enthielten und bemächtigte mich schließlich eines Messers, etwas Munition, ein paar Spritzen und ein paar Mullbinden, ohne genau zu wissen, was damit anzufangen war. So gut es ging scharrte ich dem Soldaten anschließend ein Loch in der Erde, legte ihn hinein, bedeckte ihn mit Erde und Laub und murmelte ein paar Verse. Anschließend legte ich mich erschöpft daneben ins feuchte Gras, in geduldiger und fast freudiger Erwartung meines eigenen Endes.
Ich schrak verschwitzt aus wirren Träumen, die mich vermutlich den Rest meines Verstandes gekostet hätten, würde ich mich noch an sie erinnern. Verwirrt wanderte mein Blick durch die nächtliche Schwärze, irgendwo in diesem Nichts halt suchend. Langsam gewöhnten sich meine Augen an die Dunkelheit. Der Himmel war wieder aufgeklart und der Kosmos breitete sich in seiner ganzen Herrlichkeit über mir aus, kein einziges irdisches Licht trübte die Nacht. Für einen kurzen Augenblick hob sich meine Stimmung, bis mir meine Lage wieder bewusst wurde. Ich litt unter einem bohrenden Hungergefühl und einem fast noch schlimmeren Durst. Mein Blick verfing sich unwillkürlich in der sich dunkel abzeichnenden Silhoutte von dem, was einmal die Innenstadt gewesen war. Die Hochhäuser (oder das, was von ihnen übrig war) standen noch und bohrten sich wie Dolche in das Firmament. Irgendwo aus der Ferne erklang ein Schrei, den ich unter anderen Umständen als mark- und beinerschütternd beschrieben hätte, doch in diesem Moment war mir gleichgültig, welche abnormen Geschöpfe oder Dinge sich meiner bemächtigen könnten. So legte ich mich wieder nieder, auf meinen Schlafplatz am Grab des Soldaten, in gleichgültiger Erwartung des nächsten Tages.
Innerhalb der folgenden Tage erwachte ich langsam aus meiner Lethargie. Ich richtete mich in einem etwas außerhalb der Stadt gelegenen Armeestützpunkt ein, entdeckte einen noch weitestgehend intakten, alten Lastwagen und unternahm mit ihm regelmäßig Erkundungstouren oder fuhr mit ihm in die Stadt, um mich zu versorgen. Ich sammelte alle noch brauchbaren Waffen zusammen, verfuhr ebenso mit der Munition und baute mein erwähltes Lager nach und nach zu einer Festung aus. Ich wusste zwar nicht, gegen wen oder was ich mich verteidigen sollte, doch auf der anderen Seite - wer weiß schon, was noch kommen konnte?

Da ich nun schon seit Wochen keinen anderen Menschen mehr zu Gesicht bekommen hatte, begann ich, das Leben etwas heiterer anzugehn. Ich sammelte einige Pappkameraden, die wohl früher für Schießübungen dienten, zusammen und reihte sie auf dem Apellplatz auf. Ich setzte den Generator wieder in Betrieb und hielt jeden Morgen und jeden Abend flammende, selbstgeschriebene Reden über die Lautsprecher. Manchmal, wenn mir nichts rechtes einfiel, spielte ich auch einfach Musik ab - entweder Ravels Orchesterversionen von Mussorgskis Bildern einer Ausstellung oder die rührselig-kitschigen Kompositionen des Krzesimir Debski. Auf dem Dach des Hauptgebäudes hisste ich unsere Staatsflagge. Die ganze Zeit über stand ich unter dem Einfluss von Schmerztabletten oder Alkohol. Mein Leben war ein wahnsinniger Rausch, getaucht in die rot-goldenen Farben des Spätsommers. Meine Erkundungstouren verkamen zu simplen Amokfahrten über kaputte und von vergessenen Autowracks bedeckte Straßen, während derer ich sinnlos mit einem alten Sturmgewehr in die Luft schoss und in Ekstase Huldigungen an mich selbst brüllte. Wenn ich besonderer Hochstimmung war, stellte ich mich auf das Dach des Hauptgebäudes und ließ meine Pappkameraden ewige Loyalität zu dem letzten Menschen und Gottimperator dieser leeren, verseuchten Welt schwören - mir, Vsevolod Ilyich Tkachuk.
Es waren wunderbare Tage, in denen ich ohne einen Hauch von Wehmut oder Kummer die herrliche Sinnlosigkeit meines Daseins zelebrierte. Ich ergötzte mich mit diebischer Freude daran, wenn ich erbrach oder meine Beine unter dem Gewicht meines mit himmlischen Giften verpesteten Leibes nachgaben und ich in Koma-ähnliche Phasen des stillen und starren Daliegens verfiel. Doch auch diese dekadenten Genüße wehrten nicht lange und bald traten Ereignisse ein, die meine Welt in ihren grundfesten erschütterten.


Die alleinige Weltherrschaft meiner selbst endete an einem jener Tage, die einen leichten aber einprägsamen Vorgeschmack auf die kalte, dunkle Jahreszeit geben. Der Himmel war von grauen, tiefziehenden Wolken erfüllt, aus denen hin und wieder schauerartiger Regen zu Boden fiel. Ich hielt eine meiner großartigen Reden zu meiner treuen und schweigsamen Armee, als ich auf dem Gelände jenseits meiner Festung drei schemenhafte Gestalten erblickte. Alleine die Tatsache, dass es außer mir noch Leben auf dem Planeten gab, versetzte mir einen solchen Stoß, dass meine Sinne endgültig kapitulierten. Ich erinnere mich noch, dass ich wirre Wortfetzen brüllte, bevor ich, geschockt und drogengeschwängert, ins Delirium fiel.
Ich erwachte im gedämpften Schein einer Nachttischlampe auf einem der Feldbetten in einer der Barracken. Es war inzwischen Nacht geworden und von irgendwo dort draußen erklang das nervtötende Geräusch der Grillen. Über mich beugten sich drei Gestalten: ein schwarzbärtiger Mann, um die 40 Jahre alt, ein Junge mit wirrem, dunkelblondem Haar, der kaum mehr als 12 Jahre zählen durfte und einen schon fast altklugen Gesichtsausdruck zur Schau trug und ein blaßes, schwarzhaariges Mädchen von vielleicht 16 oder 17, höchstens aber 18 Jahren.
"Sind sie in Ordnung?", fragte mich der Mann und obwohl sein Gesicht freundlich und der Ton seiner Stimme angemessen war, war ich nicht geneigt ihm zu Antworten. Er war eine abstoßende Erscheinung: das Gesicht wies zwar indogermanische Grundzüge auf, doch die Augenpartie war definitiv zentralasiatisch und seine Hautfarbe gemahnte fürchterlich an die Bewohner der Kaukasus-Nordhänge. Widerwillig rang ich mich zu einer knappen Bejahung seiner Frage durch. Es folgten noch einige weitere Fragen - ob ich der einzige sei und ob sie hier bleiben könnten. Ich bejahte die eine Frage und willigte auf letztere ein - die Kinder schienen glücklicherweise keinerlei Verwandtschaft mit dem Mischling (den ich mir vom Halse schaffen würde, sobald er mir unbequem wurde) zu haben und der letzte Rest Vernunft in mir schrie unnachgiebig nach Gesellschaft.
Meine drei neuen Mitstreiter stammten aus einem der armseligsten und verkommensten Vororte der Stadt, hatten die Katastrophe wie ich mit einer unerhörten Portion Glück weitestgehend unbeschadet überstanden und waren seit dem ziellos durch die Gegend geirrt. Der Mischling stellte sich mir als Marat, die Kinder als Arseniy und Alisa vor. Ich gewöhnte mich überraschend schnell daran, wieder unter Menschen zu sein und bald stellte sich wieder eine Art Routine bei mir ein. Die meiste Zeit waren wir nach wie vor damit beschäftigt, dröge in unserem Lager die Zeit totzuschlagen und die Tage vorbeiziehen zu sehn.
Veränderung stellte sich erst ein, als wir eines Tages ziel- und sinnlos durch die leere Stadt streiften. In einer der traurigen Ruinen entdeckte ich eine grob gearbeitete Einstiegsluke, die erst seit kurzem zu existieren schien. Mit einigen Mühen gelang es mir, das Ding aufzustemmen. Ich kletterte eine glitschige, klamme eiserne Leiter hinunter und fand mich in einem dunklen Nichts wieder. Ich schaltete meine Taschenlampe an, ohne ein großes Resultat zu erzielen, denn die Dunkelheit war so absolut, dass jedes Lichtteilchen verschluckt wurde. Ich tappte den Gang entlang und hörte nach einer gefühlten Ewigkeit Laute, die einer gedämpften Version dieses schrecklichen Schreis glichen, den ich an meiner ersten Nacht auf der leeren Erde vernommen hatte. Ich war erstaunt, denn diese Laute formten tatsächlich russische Worte, Phrasen und Sätze. Bald ließ sich auch der flackernde, kränkliche Schein eines kleinen Feuers erkennen. In einem jeder Logik entbehrendem Anflug von Euphorie beschleunigte ich meine Schritte und rief Grußworte, in der festen Überzeugung, eine Gruppe Überlebender gefunden zu haben. Es erregte meinen Verdacht nicht im geringsten, keine Antwort zu erhalten. Endlich hatte ich die Lagerstelle erreicht.
Das Herz wollte mir stehn bleiben. Im Schein einer grünlich schimmernden Flamme hockte ein halbes Dutzend gräßlich entstellter Wesen. Ihre Haut schimmerte in ungesunden Gelbtönen und war von Geschwüren zerfressen, das Haar war ihnen nur büschelweise geblieben, an manchen Stellen schien sich ihre Haut abzuschälen. Sie waren in Lumpen gehüllt und stanken furchtbar. Ich war im Begriff, wieder fortzurennen, als sich eine der Gestalten erhob und mir ihre faulige Hand auf die Schulter legte. "Was willst du hier?", röchelte sie mir ins Gesicht. Ihr fauliger Atem wollte mich erbrechen lassen. "Du hast in unserer Welt nichts verloren. Verschwinde oder lebe mit den Folgen". Einige Augenblicke stand ich da wie gelähmt. Dann begannen meine Instinkte einzusetzen. Ich riss mir die Waffe von der Schulter und gab eine ungezielte Salve auf diese Zusammenkunft ab. Dann begann ich zu rennen, wobei ich auf dem schleimigen Untergrund mehrmals ausrutschte. Ich hastete die Leiter hoch, stemmte die Luke auf, knallte sie wieder zu und tat ein paar sehr tiefe Atemzüge.
Schweren Schrittes stapfte ich zurück zu den anderen, die bereits voller Ungeduld an unserem Lastwagen warteten. Hastig riss ich die Tür auf, schwang mich auf den Fahrersitz und startete den Motor. Auf der ganzen Fahrt wurde kein einziges Wort gewechselt. Endlich, in unserem Zuhause angekommen, brach Alisa das drückende Schweigen. "Wo warst du? Was hast du nur gesehn? So rede doch!". Nach einem langen Atemzug rang ich mich schließlich dazu durch, den Dreien von meinem Erlebnis zu erzählen. Am Ende waren alle reichlich bedrückt und wendeten ihre Köpfe bei jedem noch so leisen Knarren in Richtung des Kellergeschosses des düsteren Gebäudes. Wir beschlossen, die Nacht in einer der Barracken zu verbringen, wobei Nachtwachen eingeteilt wurden. Außerdem verrammelten wir die Tür zum Keller mit allem, was wir nur finden konnten. Am nächsten Morgen schafften wir auch den Rest unserer Ausrüstung in die Barracke. Bei einem faden Frühstück, bestehend aus Dosenfutter und Mineralwasser, schmiedeten wir Pläne, wie wir weiterverfahren sollten. Wir kamen überein, dass wir auf jeden Fall mehr über diese Ausgeburten des Wahnsinns herausfinden mussten, wollten wir uns vor ihnen schützen. Einer von uns musste sie wohl oder übel beschatten. Wir beschlossen, um diese undankbare Aufgabe zu losen und - meine Freude darüber lässt sich kaum beschreiben - es traf Marat, den widerwärtigen Mischling. Seine Aufgabe wurde für den nächsten Tag angesetzt und ich beschloß, die beiden Kinder im Umgang mit Schusswaffen vertraut zu machen. Es war keine leichte Angelegenheit - Arseniy erwies sich zwar als ein Naturtalent, seine Schwester hingegen (bei den beiden handelte es sich um ein Geschwisterpaar, wie ich erfahren hatte) stellte sich dafür umso ungeschickter an. Nach einigen Anstrengungen behob ich jedoch auch dieses Problem. Den Rest des Tages verbrachten wir in banger Erwartung und besonders Marat merkte man seine Nervosität an.
Der nächste Morgen brach grau und schwer an. Es hatte wieder geregnet und über den Feldern lagen sanfte Nebelschleier. Ich gab Marat einen Stadtplan, auf dem ich den Ort mit einem schwarzen Filzstift markiert hatte, gab ihm ein Sturmgewehr samt Munition mit und wünschte ihm Glück - nicht, weil ich plötzlich Zuneigung zu ihm gefasst hätte, sondern schlicht wegen der Wichtigkeit seiner Aufgabe.
Den Tag verbrachten wir in bangem Warten. Es bot sich ein seltsamer Kontrast - draußen brach die Sonne langsam durch die Wolken und goß ihre gelborangenen, schon fast hoffnungsfrohen Strahlen über die Welt und wir saßen in unserer Barracke, versunken in düsteres Brüten. Langsam brach der Abend an und unsere Stimmung sackte immer weiter ins bodenlose. Arseniy legte noch den optimistischsten Ausdruck an den Tag, doch er war noch ein Kind und sein Verstand begriff das ganze Geschehen vermutlich noch halb als eine Art Spiel.
Schlußendlich, mit den letzten Strahlen der verblassenden Sonne, hörten wir das Brummen des alten, schwerfälligen Militärlastwagens. Wir liefen hinaus, teils erleichtert, teils von neuem angespannt.

Donnerstag, 15. April 2010

Atlantischer Traum

Eine Vision von K., verfasst am 15. April 2010

Die Eisenzeit des Schattenreiches
Wird nach Äonen enden, dann
Wird das Eis dem Feuer weichen,
Wenn zerbricht der schwarze Bann.

Phönix gleichend wehen Fahnen
Feuerrot in hellstem Glanz.
Und in vorbestimmten Bahnen
Führen Schwerter ihren Tanz.

Wenn zerbersten schwere Ketten,
Flutet Götterzorn die Welt:
Tausendfache Tode retten
Was die Welt zusammenhält.

Es erheben sich die Freien,
Kontinente brennen grell.
Ungehört verklingen Schreie,
Ungebremst vergeht die Welt.

Alten Träumen folgten wir,
Unergeben in die Zeit.
Jenseits tiefer Wesen Gier,
Waren wir dem Tod geweiht!

Nun, zum letzten Mal beschieden,
Uns, der alten Götter Heer:
Der Himmel bebt von Thules Siegen,
Der Feinde Blut erfüllt das Meer!

Mittwoch, 14. April 2010

"Dafür"

Eine Kurzgeschichte von K.

Grau trieben Wolken über dem Innenhof der alten, noch mit vielen Türmen und Zinnen erbauten Burg, und ebenso grau zog der morgendliche Nebel durch die Luft. Dazu trommelte ein kühler, leichter Regen unentwegt auf die Erde und ließ die durch den Nebel so farblos wirkende Kulisse noch eintöniger, noch lebloser erscheinen. Im Inneren der Burg befand sich eine Zelle, in der wiederum Zwei Männer saßen, die von dem Wetter nichts wussten. Seit Tagen schon waren sie eingesperrt in dem kleinen, steinernen Raum, der abgesehen von ein paar dreckigen, mottenzerfressenen Matten auf dem Boden und einem Holztisch völlig kahl war. Einer von ihnen, ein junger, kräftig aussehender Mann, saß vollkommen lethargisch in einer Ecke des Raumes und schien völlig abwesend den Tod zu erwarten. Er war in einen grauen Mantel gehüllt, der ihn, genau wie seine aschefarbenen Haare, völlig unauffällig wirken ließ. Einzig seine stechend grünen Augen verliehen seiner Erscheinung etwas bemerkenswertes; sie waren trotz des ausdruckslosen Gesichtes und des erschöpften, geschundenen Leibes, der in einer Hoffnungslosigkeit ausdrückenden Lage verharrte, voller Leben und sprühten vor Energie. Die Augen, so hieß es, waren der Spiegel der Seele; und diese Seele, urteilte man nach den Augen, bestand gleichzeitig aus einer Art fatalistischer Resignation und einem Drang, etwas an den Geschehnissen zu verändern.

Dieser Blick verharrte auf dem zweiten Mann, einer etwas kleineren, gedrungenen, aber auch älter und erfahrener wirkenden Gestalt. Er wiederum würdigte den Fatalisten keines Blickes, sondern starrte wie hypnotisiert auf die Zellentür, die seinem Blick jedoch standhielt und sich um keinen Zoll bewegte. Er war ebenfalls in einen in Fetzen von seinem Körper herabhängenden grauen Mantel und hohe, schwarze Lederstiefel gehüllt. Mit der linken Hand fuhr er sich laufend durch den dichten, dunkelbraunen Schnauzbart, die andere krallte sich in die Kante des einsamen Holztisches. Keiner von ihnen sprach ein Wort, bis der Fatalist schließlich die unnatürlich wirkende Stille unterbrach. Er hustete, dann entschied er sich endlich, zu sprechen.

„Bereust du es?“ fragte er. Während er diese wenigen Worte aussprach, wandelte sich sein Gesicht von einer leblosen Steinmaske zu einem Spiegel seiner wahren Gefühle; sogar ein Lächeln schlich sich langsam auf seine trockenen, spröden Lippen und verlieh ihm einen Hauch Bösartigkeit. Der Andere schwieg lange, so lange, dass man hätte meinen können, dass er die Frage nicht gehört hat. „Nein. Es musste sein.“
Der Fatalist nickte. Nun lächelten sie beide sich an und ihre Blicke verharrten aufeinander.
„Wahrlich, wir sind längst dem Tod versprochen. Wir sind gezeichnet. Was würde Reue noch ändern? Der einzige Unterschied ist, ob man erhobenen Hauptes stolz in sein Ende marschiert, oder sich still verkriecht und mit Gewalt zum letzten Atemzug zwingen lässt, als wollte man der Welt noch einige Sekunden Lebenszeit rauben.“

Als hätte man an ihrer Tür gelauscht, schob sich der Riegel plötzlich mit einem lauten, unangenehmen Geräusch zurück. Beide fuhren erschrocken zusammen. Ein edel gekleideter Mann, vom Hals bis zu den Knöcheln von schwarzem Same bedeckt, trat in den Raum. Es tropfte von seiner Kleidung, vermutlich war er durch den Regen gelaufen. Die stickige Luft schien ihm nicht zu bekommen; er hustete, wobei er sich mit einer auffallend ausholenden Geste die Hand vor den Mund hielt. Verächtlich sah er die auf dem Boden sitzenden, ungepflegten Gestalten an und lächelte boshaft. „Jetzt. Bringt sie raus auf den Hof.“
An wen diese Worte gerichtet waren, konnte der Fatalist nicht sehen. Der Andere jedoch saß in der gegenüberliegenden Ecke und betrachtete nicht den älteren Mann, der sie gerade dem Tod ausgeliefert hatte, sondern die jungen, unendlich müde aussehenden Soldaten, die außerhalb der Zelle standen. Sie wirkten nervös und unsicher. Natürlich, sie würden gleich Menschen töten. Und zwar nicht im Gefecht; keine bewaffneten Feinde, die ihnen nach dem Leben trachteten, sondern unbewaffnete, müde Gestalten, die eher wie unruhige Irrlichter als wie Menschen wirkten.

„Los!“, ertönte es von dem langsam ungeduldig werdenden Mann in schwarz.
Die Soldaten salutierten und ergriffen zuerst den Anderen, der Anstalten machte, sich gegen ihre Griffe zu wehren, dann jedoch resigniert aufgab, seinen Rücken entkrümmte und sich gemächlich auf den Hof führen ließ. Der Fatalist stand von selbst auf und folgte dem Anderen, ohne einen der Soldaten berührt zu haben. Er schien eine Aura der Bedrohung auszustrahlen, die den Soldaten Angst einjagte, die sie jedoch nicht wirklich begriffen, da er ja gefahrlos zu sein schien. Nach vielen Stufen waren sie schließlich in der Eingangshalle, wo ihnen ein milder Wind entgegen blies. Die beiden Delinquenten schritten den Weg bis zur Tür entlang, so sie für einen Moment stehenblieben. Sogleich trafen sie die unbarmherzigen Ellenbogen der Soldaten, die sie hinaustrieben. Der lauwarme Wind trug ihnen durch den mittlerweile abgeflauten Regen einen leicht süßlichen Geruch zu.

Sie gingen einen schmalen, gepflasterten Pfad entlang, der zu einer beschädigten, von rostbraunen Flecken übersäten Wand führte. Abseits des Pfades blühte der Wermut, und am Horizont erstreckte sich ein Feld aus Vergissmeinnicht. Unberührt von dieser malerischen Szenerie fauchte der Andere die Soldaten an -
„Wollt ihr uns den letzten Wunsch vorenthalten? Ihr Schweine!“
Von seinem Gefühlsausbruch nur mäßig beeindruckt drängten die Soldaten sie weiter. Der Fatalist hingegen konnte seinen Blick von dem Blumenfeld nicht abwenden und musste dafür einige Schläge erdulden, ehe er sich endlich an die Wand stellte. Schließlich gaben die Soldaten dem Drängen des Anderen nach, als der schwarz gekleidete winkte und einige Worte an sie richtete. „Sie sind in einigen Augenblicken nichts als Fraß für die Maden; lasst sie ruhig ihre letzten Wünsche bekommen, solange noch Seelen in ihren Leibern wohnen.“
Die Soldaten nickten eifrig und fragten, was die Delinquenten begehrten. Der Andere verlangte eine Zigarette, die ihm sogleich angezündet und in die Hand gegeben wurde.
„Und was willst du?“, fragten sie den Fatalisten. „Einen Schluck Wein.“ entgegnete er bar jeder erkennbaren Emotion. Einer der Soldaten drückte ihm eine beige Feldflasche in die Hand. Der Fatalist nahm sie, bedankte sich, und setzte sie an seine Lippen. Der rote Saft, der die gleiche Farbe hatte, wie die untergehende Sonne an jenem warmen Aprilabend, benetzte seine Kehle und ein wohliges Gefühl der Wärme floss seinen Rachen hinab.

Wie in Trance trank er die Flasche, leerte sie bis auf den Grund und hielt sie auch noch darüber hinaus an den Mund. Inzwischen hatten die Soldaten Stellung bezogen und richteten ihre Läufe auf die beiden Männer. „Die Zeit des Abschiedes scheint nahe“, sagte der Andere.
Abwesend nickte der Fatalist. „Richtig…“, begann er, „doch was für ein Abschied dies doch ist. Zu sterben, durch Gewalt aus dem Leben gestoßen zu werden, und dabei doch überzeugt davon sein, richtig gehandelt zu haben. Welch Triumph! Welch Ehre!“.
Schüsse erklangen. Die bleiernen Geschosse verließen ihr Heim und ließen ein tosendes Gewitter aus todbringendem Metall aufpeitschen; mühelos durchschlugen sie die Körper der beiden Männer und ließen sie zu Boden stürzen. Blut spritzte, benetzte die Wand hinter ihnen.
Der Fatalist schaffte es noch einmal, sich aufzurichten, die Kugeln hatten ihn in den linken Arm und in die Brust getroffen. Sitzend lehnte er sich an die Wand und lächelte.
„Es ist wahr. Dafür sind Helden da…“

Wie Phönix aus der Asche...

An dieser Stelle wird durch Kooperation von B. und K. eine Sammlung verschiedenster lyrischer und philosophischer Texte entstehen - von Poesie und Prosa bis zu diversen Abhandlungen zu unterschiedlichen Themen.

Der Anfang ist getan.


K. am 14.04.2010

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