Donnerstag, 5. August 2010

Zyklus Schlachten - I - Borodino

Borodino

Gar lange wichen wir zurück

Vor des Franzosen kalter Hand.
Doch wetzten wir schon uns're Messer;
Was macht der Feind in unser'm Land?

Nun fanden wir ein großes Feld -
Hier ist der Platz, an dem wir streiten!
Die Gräben wurden ausgehoben,
Das Schwert sollt' uns begleiten!

Kaum waren wir bereit zu kämpfen,
Ertönte schon das blechern' Horn.
Dort glänzt es blau schon aus den Wäldern,
Dort stürmt der Feind nach vorn!

Vorbei die Zeit der Listen:
Wir kämpfen offen, stolz!
Und soll'n wir sterben, soll's so sein,
Doch vorher brechen Stahl und Holz!

Zwei Tage flogen Tausend Kugeln.
Wo ist der Sturm der Schlacht?
"Zu den Kartätschen, vorwärts, Männer!" -
Ward unser Mut entfacht.

Die Nacht brach dann herein.
Wir schärften Bajonette, luden Waffen;
Zähne knirschten, viele schrien,
Es war die Zeit, den Sieg zu schaffen.

Und kaum war hell der Himmel
Erzitterte der Grund.
Es stand nun Reihe hinter Reihe,
In dieser stolzen Stund'.

Stolz blickten wir auf unsr'en Führer,
Ein Vater uns, ein Sohn dem Zaren,
Wie schade ist es doch um ihn,
Sein Wort, wir wollen es bewahren.

So sprach er doch:
"Soldaten!
Wer rettet Moskau, wenn nicht wir?
Hatten wir nicht den Tod geschworen?
Und so erfüllen wir den Schwur,
Wie die Brüder, die wir hier verloren."

Oh, welch ein Tag!
Sie drängten auf uns, die Franzosen,
In ihren blauen, starken Reihen,
In den mächtigen, endlosen -
Und alle gegen uns!

Denn alle sahen wir.
Dragooner, Husaren, Kürassiere -
Sie alle brachen auf uns ein,
Doch kämpfen wir - was immer auch passiere!

Der Feind sah viel an jenem Tag,
Was russisch' Nahkampf uns doch heißt!
Der russisch' Kämpfer niemals zittert,
Der tapf're Slawe jeden Feind zerreißt!

Zu streiten gegen uns're Rus -
Der Feind erriet nun, was es hieß!
Nun schallt' das blechern' Horn erneut,
Der Franzemann das Feld verließ.

Nun zählten wir die toten Freunde,
Zogen tief in unser Land.
Der Feind, er sollt sich sicher wähnen,
Und sehen doch nur Tod und Brand.

Sonntag, 1. August 2010

Rus

Land der goldenen Felder,
Land der glänzenden Seen,
Land der Steppen und Wälder,
Die zu ihren Göttern fleh’n.

Land, das immer unbesiegt,
Stolz sein golden Haupt erhebt.
Jahr um Jahre hast den Krieg
Stets auf’s neue Du erlebt.

Hier zerbrachen Frankreichs Heere,
An dem grünen Ehrenkleid –
Und auch des Janitscharen Ehre
Zersprang an deinem Treueeid.

Niemand kann dich niederringen!
Niemand deinen Stahl verbiegen!
Jeden Feind wirst du bezwingen,
Jeden wird die Rus besiegen!

Keine grausamen Chasaren,
Nicht des Polen Gier nach Land –
Auch der letzte deutsche Feldzug
Barg den Tod am Wolgastrand.

Land der Flüsse, Land des Schnees,
Land des gold’nen, hellen Mutes,
Land, dessen Ehre nie vergeht,
Land des stolzen, reinen Blutes!

Stolz erklommen wir die Alpen –
Ertränkten wir die Krim in Blut,
Der Kaukasus erzitterte,
Bei unserer Kosaken Mut.

Doch birgt Gefahr der ärgste Feind –
Der uns drei Mal schon fast vernichtet,
Der Sieg gelingt uns nur vereint,
Bevor der Feindesstamm über uns richtet…

Es stürzte ihn der edle Fürst,
Der tapfere, mit edlem Haar;
Danach bezwang er unser Reich,
Im Siebzehnten verfluchten Jahr.

Und nun hat er erneut die Macht;
Und niemand kann ihn hier erkennen.
Und währenddessen er nur lacht,
Wenn wir versinken und verschwinden.

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